70 - Nuku Hiva

Im Uhrzeigersinn um die Insel.
Mai 22

Landsicht

Das Landesinnere von Nuku Hiva haben wir nun bestaunt, jetzt nimmt es uns Wunder, wie sie sich vom Meer her präsentiert. Dazu machen wir uns auf und umrunden die Insel im Uhrzeigersinn. Zuerst landen wir in der kleinen Bucht Daniel’s Bay/Hakatea. Sie ist mega geschützt, vom offenen Meer sehen wir nichts mehr. Rundherum steile Felswände und ein Tal voll Grün. Nur sechs Boote liegen heute hier, es ist sehr gemütlich.

Zwischen diesen zwei Felsen ist der Eingang in die Bucht.
Wie eine Schüssel liegt das Tal da.

Die ersten beiden Tage machen wir nicht so viel und bleiben auf dem Boot. Es gibt wieder ein paar kleine Dinge zum Erledigen. Zuerst einmal nähen wir neue Hutzli für die beiden grossen Wintschen. Das machen wir zusammen, Ruedi näht eines und ich nähe eines. Parallel. Macht Spass! Die ersten Hutzli, die ich zuhause aus Rucksackstoff genäht habe, hat die Sonne gefressen. Chris hat sich eine Magenverstimmung eingefangen, dieses Pausieren passt grad! Ruedi verbessert noch die Ummantelung der Steuerräder.

Gemeinsam macht es einfach mehr Spass. Auch Ruedi hat Freude daran, auch wenn es hier nicht grad danach aussieht!
Jeeeaaah – fertig!
Job erledigt.

Unser Freunde aus Neuseeland SY MATARIKI erreichen ebenfalls die Bucht und zusammen unternehmen wir den Ausflug zum Wasserfall Vaipo. Dazu fahren wir mit dem Dinghy an den Sandstrand, spazieren zum nahen Ort und müssen dafür zuerst durch den kleinen erfrischend kühlen Fluss waten. Eine Tafel und auch die Restaurantbesitzerin Kua erklärt uns, dass wir hier eine Gebühr abliefern müssen. Die Association kümmert sich um den Weg zum Wasserfall. Maurice, der vorne am Strand wohnt, zieht die Gebühr ein. Okay, machen wir. XFP1000 pro Person (knapp 9 EUR). Maurice ist aufgestellt und lustig, bietet uns nach dem Ticketkauf Mangos frei zum Mitnehmen an.
Der Weg führt zwei Stunden lang durch wildes Grün in allen Variationen, dazwischen immer wieder mal Hibiskus-Blüten oder Bougainvilleas. Das Tal ist aufgefüllt mit Palmen dicht an dicht. Wunderschön! Bridget und ich bilden beim Wandern das Schlusslicht – wir müssen immer wieder stehenbleiben und fotografieren. Schön, dass ich mal jemand habe, mit dem ich diese Leidenschaft teilen kann. Die Männer eilen ohne uns voraus.
Zwischendurch müssen wir durch kleine Flüsse waten, jedes Mal geniessen wir das kühle Nass. Wir haben dies bereits geahnt und gute Schuhe dafür ausgesucht. Es ist drückend heiss und feucht, der Schweiss läuft uns nur so runter.
Irgendwann kommt ein Schild «Weitergehen auf eigene Gefahr». Die Berge und steilen Felshänge sind sehr nah, ab und zu fallen hier Steine runter. Ganz wohl ist uns nicht – später als wir zurückgehen, hören wir hinter uns Steingerumpel! Oha. Gut sind wir schon weg!!

Aber das Ende, wo der Wasserfall ist (für uns unsichtbar versteckt hinter Felsen), ist es wie im Märchen. Alles grün, üppig bewachsen, eng umrundet von hohen Felsen. Beeindruckend! Bridget begibt sich sofort ins kleine Seelein, das sich dort gebildet hat. Kühl und erfrischend. Jeder geniesst in Ruhe und für sich diese überwältigende Kulisse.
Was wir auf dem Hinweg alles gequatscht haben, auf dem Rückweg sind wir still. Beeindruckt, und hungrig. Vorne im Ort wartet ein Essen auf uns. Kua undTaiki kochen für uns Thunfisch kurz gegrillt, dazu Kochbananen, Brotfrucht, Brunnenkresse und zum Dessert selbstgemachte Glacé. Alles schmeckt sehr fein. Die beiden leben hier und verwöhnen die Segler und Touristen, die dieses Tal mit Wasserfall besuchen. Während dem Essen bereitet Kuna für uns die Früchte zum Mitnehmen vor. Mangos, Pampelmusen, Bananen, Sternfrüchte, Bohnen, Brunnenkresse – toll, dafür müssen wir nichts zahlen. Wenn wir uns umschauen, sehen wir auch üppig Früchte überall. Verhungern würde man auf dieser Insel nicht.
Satt, zufrieden, müde und glücklich machen wir uns auf den Weg zurück zu unseren Schiffen. Das war ein sehr schöner Ausflug.

Ticketoffice.
Kein Photoshop-Grün!! Ist echt so.
Ja, bin noch da. Leider etwas selten auf Bildern.
Flüsschen durchqueren macht Spass und kühlt etwas ab.
Thunfisch de Luxe!

Am nächsten Tag ziehen wir zwei weiter der Küste entlang. Diese ist ebenfalls beeindruckend, sie ändert das Bild stetig. Mal ist es trocken und staubig, mal gibt es grüne Hänge. In einer sehr kleinen Bucht im Nordwesten der Insel, Baie Haahopu, werfen wir den Anker. Wir sind das einzige Schiff, viel mehr haben auch nicht Platz hier. Aber es fühlt sich sicher an. Der Ausblick aufs Land ist schön, aber es ist äusserst trocken hier. Die Sträucher an Land sind grau, nur einzelne zeigen ein paar Blätter. Kaum Tiere sind zu sehen, hier ist nichts. Der Strand zeigt schönen Sand. Mitten in der Nacht hört Ruedi, wie ein Auto ranfährt und parkt. Was machen die da? Gegen Morgen entdecken wir, zwei Frauen und ein Junge verbringen ihren Tag wohl hier am Strand. Wir winken und ziehen weiter.

Einsamkeit.
Farbige Nordküste mit ihren Bergen, die an die Dolomiten erinnern.

Der Wind bläst uns heute arg auf die Nase, wir hüpfen über die Wellen zur nächsten Bucht. Baie d’Anaho. Sie ist tief und gross – und sehr sehr schön! Wow!
Ich versuche es mal zu beschreiben: Grosse Berge mit zum Teil recht spitzigen Formen, kahl und doch mit vielen Bäumen umsäumt. Tiefer ins Tal runter füllt sich dieses mit einer grossen Anzahl Palmen, dicht aneinander gereiht, einen regelrechten Topf voll Grün bildend. Die Landzungen zum Meer raus sind eher trocken, grüne Pompons (Bäume/Sträucher) bilden zum roten Erdboden einen schönen Kontrast. Dazwischen springen Ziegen rum und mäen so rum. Herrlich! Am Strand tummeln sich Menschen, vor allem Kinder. Es ist Sonntag, sie geniessen das süsse Nichtstun. Ein Riff liegt davor, wenn wir mit dem Dinghy an Land möchten, müssen wir unbedingt die schmale freie Einfahrt benutzen. Sie ist sogar mit ein paar Bojen markiert.

Anaho.

Endlich liegen wir mit der PASITO so richtig schön. In allen anderen Buchten mussten wir den Schwell mehr oder weniger ertragen. Aber hier – sehr ruhig. Um das Schiff herum tauchen immer wieder Schildkröten auf.

Was finden wir am Strand? Viele Kokosnusspalmen, Hibiskusblumen, Frangipani (welch ein betörender Duft), Bougainvilleas, ein paar Hütten, Pampelmusen werden auf einem Tisch verkauft (aber was für ein teurer Preis!). Pferde, die für eine Tour benutzt werden, ziehen an uns vorbei, die Reiter grüssen freundlich. Eine kleine Kirche im Westernlook steht da in der Mitte der Bucht. Es gibt hier sogar eine Pension, wir entdecken ein junges Paar, dass sich dort ihr Zelt für die Nacht aufstellt. Getränkeangebot im Restaurant: Bier und Cola. Wir geniessen das Verweilen hier und die Bucht.

Am nächste Tag machen wir uns früh auf den Weg über den kleinen Pass. Er führt steil bergauf. Ziegen beäugen uns sehr neugierig, sind aber äusserst scheu, wenn wir zu nah kommen, rennen sie erschreckt schnellweg. Die Aussicht auf dem Pass über die Bucht ist toll. Und hier weht endlich ein heftiges Lüftchen, dass uns wieder etwas zum Atmen gibt. Eine Antenne ist hier platziert und wir kriegen sogar zwei Striche Internetempfang!
Wieder ist hier alles absolut dicht mit Pflanzen. Es regnet und alles wird noch intensiver bunt. Der Weg aber auch glitschig und die Schuhe werden schwerer und schwerer. Der Weg ist sehr angenehm zu laufen und die Erde ist so richtig rot.
Langsam kommen die ersten Häuser in Sicht. Sie sind hinter Blumen und Sträuchern gut vor Blicken geschützt, zu meinem Leidwesen. So gerne würde ich mehr sehen, wie sie leben. Wir treffen auf einen Mann Taike, er lebt in der Bucht Anaho, arbeitet im Ort Hatiheu. Er trocknet Kokosnuss für den Verkauf nach Tahiti; zur Kokosölproduktion. Wenn er nach Hause will, nimmt er entweder das Pferd und reitet über den Pass, oder er nimmt sein Motorboot.

Wir streunen durch das kleine Örtchen. Die Hauptstrasse ist schön mit Mustern verziert. Die Kirche (siehe auch letzten Blog, da ist sie abgebildet) ist sehr malerisch in die Umgebung eingebaut, mit Blick auf spitzige schwarze Steinformationen, die uns an die Dolomiten erinnern. En miniature. Am Strand ruhen wir uns aus und geniessen die Atmosphäre. Ein Restaurant neben dem Supermarkt lädt uns ein, wir setzen uns hin und bestellen Fisch. Es ist schön, dass auch mal andere Gäste hier sind, es ist richtig gesellig und das Essen ist fein.

Die Hauptstrasse von Hatiheu ist am Boden hübsch geschmückt.
Die frei streunenden Hunde sind sehr freundlich und unaufdringlich.
Arbeiten mit Kokosnuss. Taike verkauft für die Kokosölproduktion nach Tahiti.
Hier geht’s rein zum feinen Essen.
Und es schmeckt gut!

Bevor wir weiter segeln, nutzen wir das ruhige Liegen mit der PASITO und flicken unser Dinghy. Der Griff ist abgefallen und der Leim muss mindestens 48 Stunden antrocknen. So bleiben wir auf dem Schiff und geben dem Trocknen Zeit. Wir lesen und relaxen.

Ein paar Dinge, die wir dringend erledigen müssen, zwingen uns zurück zu gutem Internet und so landen wir nochmals in Taiohae, der Hauptbucht auf Nuku Hiva. So können wir auch nochmals Früchte und Gemüse einkaufen, bevor es am folgenden Tag weiter zur nächsten Insel geht.

Wir sind zur Cabane hochgelaufen. Eine Totalansicht der Bucht Taiohae. Bye Nuku Hiva.

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